AfD weiter sieben Punkte vor Union: FDP legt nach Entscheidung für Kubicki als Chef leicht zu

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Nach dem Bruch der Ampelkoalition ging es für die FDP bergab. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde und ist seitdem nicht mehr im Bundestag vertreten. Seitdem dümpeln die Liberalen in bundesweiten Erhebungen oft um die drei Prozent, werden teilweise gar nicht mehr gesondert ausgewiesen.

Nach der Entscheidung für den Kandidaten Wolfgang Kubicki im Machtkampf um die künftige Führung am 15. Mai hat die FDP nun in einer Erhebung zumindest leicht zugelegt. Im „Sonntagstrend“ für die „Bild am Sonntag“ gewinnt sie einen Prozentpunkt und kommt auf vier Prozent – säße aber nach wie vor nicht im Parlament.

Stärkste Kraft in der Umfrage wie aktuell auch im „Politbarometer“ von ZDF und Tagesspiegel ist die AfD mit 29 Prozent – weiter mit sieben Punkten Vorsprung vor der Union mit unverändert 22 Prozent. Die Grünen kommen im „Sonntagstrend“ des Instituts Insa erneut auf 14 Prozent, die Sozialdemokraten bleiben bei zwölf Prozent. Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz aus CDU/CSU und SPD kommt so zusammen nur auf 34 Prozent.

Die drei Koalitionsparteien haben seit der letzten Wahl fast jeden vierten Wähler verloren.

Hermann Binkert, Insa-Chef

Die Linke legt um einen Punkt auf elf Prozent zu und ist damit fast so stark wie die Sozialdemokraten. Das BSW kommt auf drei Prozent und würde derzeit ebenfalls an der Fünfprozenthürde scheitern. Sonstige Parteien erzielen zusammen fünf Prozent. Befragt wurden vom Institut Insa vom 18. bis zum 22. Mai 1203 Wahlberechtigte.

Kubicki hatte FDP-Machtkampf gegen Höne für sich entschieden

Wie Insa-Chef Hermann Binkert dem Blatt sagte, haben „die drei Koalitionsparteien seit der letzten Wahl fast jeden vierten Wähler verloren“.

Der 74-jährige Kubicki hatte den Machtkampf in der FDP für sich entschieden und will die Partei künftig als Vorsitzender aus der Krise führen. Sein bisheriger Mitbewerber um den Parteivorsitz, NRW-Landeschef Henning Höne, zog sich aus dem Rennen zurück.

Die Liberalen stecken in einer existenziellen Krise. Sie flogen nicht nur aus dem Bundestag, sondern im März auch aus den Landtagen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Nach den Niederlagen bei den Landtagswahlen hatte Parteichef Christian Dürr seinen Rücktritt erklärt. Bei ihrem Parteitag Ende Mai wählen die Liberalen ihre neue Parteispitze.

Höne soll herausgehobene Rolle in FDP-Führung spielen

In einem gemeinsamen Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagten Kubicki und Höne, dass sie „ihre Kräfte bündeln wollten“. Kubicki zufolge muss die FDP ihren Blick „jetzt geschlossen auf den Erfolg richten“. Die Unzufriedenheit mit der im Bund regierenden schwarz-roten Koalition sei „historisch“.

In der künftigen FDP-Führung solle der 39-jährige Höne als Vorsitzender des größten Landesverbandes „und Fraktionsvorsitzender in einem der wenigen Landtage, in denen wir noch präsent sind,“ eine herausgehobene Rolle spielen, sagte Kubicki. Er betonte: „Abgesehen davon sind wir sowieso keine One-Man-Show und werden es auch künftig nicht sein.“

Kubicki weiter: „Wir können es uns nicht leisten, uns lange mit uns selbst zu beschäftigen. Wir müssen auf dem Parteitag jetzt zeigen: Wir sind eine kampfbereite Truppe, die man unterstützen kann, wenn dieses Land tatsächlich wieder auf einen ,gelben’ Zweig kommen soll.“

Was die leichte Erholung in der Umfrage wert ist, wird sich schon im September zeigen. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt. Für den neuen Bundesvorsitzenden werden diese Wahlen die erste Bewährungsprobe sein. 

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